Mehr Sicherheit entlang der Wertschöpfungskette

Krisenzeiten führen zum Perspektivwechsel

Exemplarisch zeigt sich während der Corona-Pandemie, wie abhängig Unternehmen vom Zusammenwirken eines komplexen, globalen Räderwerks sind und wie schnell Störungen zu regelrechten Krisen führen können. Die ungewohnte Homeoffice-Situation, unterbrochene Lieferketten oder die Suche nach neuen Geschäfts- und Finanzierungspartnern sind nur einige der Faktoren, die andere neue Risiken mit sich bringen. Doch wenn Problemstellen und Optimierungspotenziale offenkundig werden, bieten sich auch Chancen – wie die folgenden Punkte verdeutlichen.

1. Mit standardisierten digitalen Prozessen eine zukunftssichere Geschäftsgrundlage schaffen

Während die meisten mittelständischen Unternehmen bereits an ihrer Digitalisierung arbeiten, hat die Corona-Pandemie erneut gezeigt, wie nötig und nützlich diese Transformation ist. Denn bei Störungen in geschäftlichen Abläufen zählen die Vorteile digitaler standardisierter Prozesse doppelt:

  • Sie sichern und steigern die Qualität im Unternehmen. Fehlerquellen können dauerhaft eliminiert werden. Treten neue auf, können sie zuverlässig identifiziert und nachhaltig beseitigt werden.
  • Die geringere Fehlerquote, eine gestiegene Arbeitsgeschwindigkeit und der bei der Digitalisierung eingeübte analytische Blick steigern langfristig die gesamte Effizienz des Unternehmens.
  • Ein wachsender Datenschatz ist ein Asset im Unternehmen, das sich vielfältig einsetzen lässt – von einer kontinuierlichen Prozessoptimierung über die Produktentwicklung bis hin zur Kundenkommunikation.
  • Insgesamt bereitet die digitale Transformation die Basis, schneller und effizienter agieren und dabei präziser arbeiten zu können als zuvor.

2. Lieferanten, Geschäftspartner und Kunden: Risiken besser kennen und einschätzen lernen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Was in „normalen“ Zeiten eherner Grundsatz für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit ist, gilt in Krisenzeiten umso mehr. Erfordern beispielsweise unterbrochene Lieferketten unerwartet und rasch den Wechsel von Lieferanten, sollte die angestrebte Zusammenarbeit auf gründlicher Prüfung und klar geregelten Bedingungen beruhen:

  • Risikomanagement etablieren und eine fundierte Risikoeinschätzung des Geschäftspartners vornehmen
  • Wirtschaftliche Stabilität der zukünftigen Geschäftspartner abfragen
  • Qualität und Leistung der Produkte oder Dienstleistungen prüfen und vertraglich vereinbaren, dabei auch Sonderkündigungsrechte aufnehmen
  • Vertragssicherheit durch entsprechende Prüfung und Klauseln sicherstellen
  • Compliance des zukünftigen Geschäftspartners prüfen und die Einhaltung mit entsprechenden Klauseln vertraglich absichern
  • Für die Prüfung bestehender oder zukünftiger Geschäftspartner kommen einschlägige Datenbanken, Auskunfteien, öffentliche Register, persönliche Beziehungen und Selbstauskünfte als Quelle infrage.

3. IT-Sicherheit etablieren, um Daten, Produktion und den Zahlungsverkehr zu schützen

In Wertschöpfungsketten werden aus Cyberrisiken schnell Businessrisiken. Die Unterbrechung des Produktionsbetriebs, der Verlust vertraulicher Kundendaten, Datenschutzvorfälle, Diebstahl von geistigem Eigentum und nicht zuletzt Angriffe auf den Zahlungsverkehr sind daher die wichtigen Sicherheitsthemen für ein digitalisiertes Unternehmen. Informationssicherheit muss integraler Bestandteil jeder Digitalisierungsstrategie sein.

Dabei gilt: Eine hundertprozentige Prävention ist nicht möglich. Früher oder später wird eine E-Mail mit einem Verschlüsselungstrojaner ins interne Mailsystem gelangen und einen Mitarbeiter zum Öffnen verleiten. Deshalb ist es notwendig, Angriffe und Sicherheitsvorfälle möglichst in Echtzeit zu detektieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Früher standen oft Compliance, Checklisten, Virenscanner und Passwortregeln im Zentrum einer Sicherheitsstrategie. Heute liegt der Fokus mit der „operational resilience“ darauf, die Geschäftstätigkeit zu erhalten und wiederherzustellen. Ziel der Sicherheitsstrategie ist, die Auswirkungen von Sicherheitsvorfällen zu minimieren und die Zeit zu reduzieren, bis alle kritischen Geschäftsprozesse wieder laufen.

Das sollte jedoch nicht dazu führen, Präventionsmaßnahmen gegen Cyberrisiken zu reduzieren und sich mehr auf das eigene Krisenmanagement zu verlassen. Im Gegenteil: „Operational resilience“ nutzt die bereits etablierte „Cyberhygiene“ als Basis. Erfolgskritisch ist dafür eine ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens: Technik, Organisation, Geschäftsprozesse und Mitarbeiter müssen einbezogen werden.

Ob die Informationssicherheit im Unternehmen gewährleistet ist, liegt dabei weniger an den Plänen, sondern am trainierten, qualifizierten Personal und dem Selbstverständnis des Managements.

Informationssicherheit ist Chefsache – in der Verantwortung und in der Kommunikation gegenüber den Mitarbeitern. Nur wenn sich die Unternehmensleitung dazu bekennt und sich selbst an die etablierten Prozesse hält, werden die Mitarbeiter folgen“, so Boris Hemkemeier, IT- und Cybercrime-Experte bei der Commerzbank.

4. Risikomanagement verstärken zur Absicherung von Kredit-, Währungs-, Zins-, Forderungs- und Rohstoffpreisrisiken

Gerade international operierenden Unternehmen drohen an vielen Stellen finanzielle Risiken. Forderungsausfälle, Währungsschwankungen, Zinsänderungsrisiken und volatile Rohstoffpreise beeinträchtigen den Cashflow, schmälern Unternehmenswert, Vermögenswerte sowie andere Ergebnisgrößen. Es existieren jedoch eine Reihe von Möglichkeiten, sich dagegen abzusichern:

  • Ausfuhrkreditversicherung: Mit variantenreichen Exportkreditgarantien, den sogenannten Hermes-Deckungen, übernimmt der Bund einen großen Teil des Zahlungsausfallrisikos.
  • Währungsmanagement: Auslandsgeschäfte können gegen schwankende Devisenkurse aktiv abgesichert werden. Unsere Online-Handelsplattform FX Live Trader unterstützt dabei mit Informationen, Analysen und einem Zugang zu den Preisen von mehr als 100 Währungspaaren.
  • Zinsmanagement: Instrumente wie Zinsswaps, Zinscaps und strukturierte Lösungen machen von Zinsschwankungen unabhängig und stellen die Finanzplanung auf eine verlässliche Basis.
  • Forderungsmanagement: Alle Prozesse rund um Debitorenmanagement, Forderungsmanagement, Mahnwesen, Inkassomanagement, Versandmanagement etc. können durch die Plattform des Commerzbank-Kooperationspartner Bilendo komfortabel gemanagt werden.
  • Rohstoffmanagement: Preisrisiken für Energie und Metalle, im Emissionshandel und bei Agrarrohstoffen lassen sich aktiv steuern.
  • Weitere Möglichkeiten: Mehr Informationen zur Optimierung des Risikomanagements, beispielsweise durch Dokumenten-Inkasso, Dokumenten-Akkreditiv und Auslandsaval, finden Sie hier:

5. Erstellung und Handling von Exportdokumenten outsourcen

Die Arbeit an Exportdokumenten wie Transport- und Lagerpapieren, Versicherungspolicen und Warenbegleitpapieren ist aufwendig und zeitintensiv. Da bei der Außenhandelsfinanzierung Dokumenten-Akkreditive eine Beweisfunktion haben, können bereits kleinste Fehler hohe Verluste verursachen. Fehlen die Ressourcen , kann diese Arbeit extern vergeben werden.

Mit trade.docs+ bietet die Commerzbank ein modulares System, aus dem sich Unternehmen einzelne Bausteine des Handlings von Exportdokumenten wählen können. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel „Was Unternehmen im Auslandsgeschäft beachten sollten“.

Weitere Informationen zum Thema „Dokumentäres Auslandsgeschäft“ finden Sie hier.

6. Eigene Ideen mit Patenten und anderen Mitteln gegen Diebstahl schützen

Eine Studie des Branchenverbands VDMA und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) zum Ideendiebstahl im deutschen Maschinenbau bezifferte den dadurch verursachten direkten Schaden 2018 auf über 7 Milliarden Euro. Nicht eingerechnet waren dabei indirekte Schäden, zu denen Imageverlust, ungerechtfertigte Regressforderungen und Einbußen bei der Marktposition gehören.

Ist es nicht möglich, die eigenen Ideen geheim zu halten, oder sind die Produkte bereits auf dem Markt, sind Patente oder Gebrauchsmuster der Schutz der Wahl. Auch können eingetragene Designs, Marken sowie EU-weit gültige Unionsmarken und Schutzrechte geschützt werden. Informationen dazu bietet das Deutsche Patent- und Markenamt – für den Markenschutz und den Patentschutz im Ausland. Auch sollten Non-Disclosure Agreements (NDA) bei der Geschäftsanbahnung ebenso Standard sein wie stichhaltige Verträge für die Zusammenarbeit.

7. Die Einhaltung eigener Compliance-Richtlinien sicherstellen

Bestechung und Bestechlichkeit, mangelhafter Datenschutz, überzogen teure Geschenke, Reisen und Einladungen sowie Verstöße gegen Arbeitsbedingungen können nicht nur den Ruf beschädigen, sondern hohe Strafen nach sich ziehen. Zwar besteht keine Pflicht, eigene Compliance-Regeln aufzustellen, wohl aber, die geltenden Ge- und Verbote zu kennen. Dementsprechend etablieren Unternehmen zunehmend eigene Compliance-Teams als Teil der Unternehmenskontrolle.

8. Kompetente und verlässliche Banking-Partner wählen

Auch in Zeiten, in denen die Welt manchmal auf die Größe eines globalen Dorfes zu schrumpfen scheint, bedürfen Auslandsgeschäfte noch immer einer gewissenhaften Risikoeinschätzung. Banking-Partner, die ihre Firmen- und Unternehmenskunden erfolgreich unterstützen, sollten die folgenden Eigenschaften aufweisen können:

  • Sie betreiben fundiertes, eigenes Research. Ein Beispiel dafür ist der Africa Research Bulletin der Commerzbank.
  • Sie verfügen über hervorragende Kenntnisse von Ländern und Märkten, auch durch eigene Experten vor Ort. Die Commerzbank wird weltweit durch Niederlassungen oder Financial Institutions Desks vertreten.
  • Die englischsprachige Seite „ Commerzbank Institutions “bietet weitere Informationen zu den Angeboten und Leistungen von FI. Dort finden Sie auch den zweimal jährlich erscheinenden Newsletter FI News.
  • Diese Verbände könnten Sie ebenfalls interessieren:
  • Africa-Verein
  • OAV German Asia-Pacific Business Association

Commerzbank-Firmenkunden haben exklusiv auf die Researchpublikationen Zugriff über das Commerzbank Research Portal . Dazu gehören viele, teils täglich aktualisierte volkswirtschaftliche Betrachtungen, Analysen der Rohstoff- und Devisenmärkte, der Kredit- und Rentenmärkte sowie technische Analysen, Analysen zu Assetklassen und Equity-Research. Öffentliche Research-Publikationen finden Sie unter Commerzbank Research.

Das könnte Sie auch interessieren: Unser Experte Christian Toben im Interview Wirtschaftliche Entwicklung Afrikas - Chancen und Risiken für Unternehmen

Experten-Interviews zur Wertschöpfungskette

Warum ist Risikomanagement bei Rohstoffen so wichtig – lesen Sie das Interview:

Michael Alt, Head of Commodities Advisory & Distribution bei der Commerzbank AG, im Interview:

Herr Alt, warum wird das Risikomanagement bei Rohstoffen jetzt immer wichtiger?

Geopolitische Ereignisse führen mitunter zu deutlichen Preisbewegungen an den Rohstoffmärkten ebenso wie beispielsweise eine Änderung der Konjunkturaussichten, Streiks oder Lieferengpässe. Rohstoffintensive Unternehmen haben es daher sehr schwer, Aufträge sicher zu kalkulieren. Ein plötzlicher Anstieg des Rohstoffpreises kann schnell zur Kostenfalle werden. Das aktive Management von Rohstoffpreisrisiken sollte daher in Unternehmen hohe Priorität genießen. Nur so können sie Planungssicherheit erzielen, die Abhängigkeit von schwankenden Preisen verringern und ihrerseits den Kunden stabile Preise garantieren.

Welche Instrumente bieten sich den Unternehmen dafür?

Viele Unternehmen steuern ihre Zins- und Wechselkursrisiken bereits aktiv. Für das Management von Rohstoffpreisrisiken existieren grundsätzlich identische Instrumente. Allerdings sind Schwankungsbreite und direkte Betroffenheit der Unternehmen im Rohstoffbereich ungleich höher. Die Commerzbank bietet eine Vielzahl an Instrumenten zur Risikoabsicherung im Rohstoffbereich, beispielsweise Festpreise oder Optionen bis hin zu individuellen Zahlungsprofilen, die auf den Bedarf unserer Kunden abgestimmt sind. Dank der finanziellen Preisabsicherung ist das Preisrisiko von der physischen Transaktion getrennt. Das Unternehmen ist dadurch deutlich flexibler im Beschaffungsprozess der Rohstoffe.

Zudem sind in aller Regel bereits Erfahrungen und Kenntnisse im Unternehmen vorhanden, die sinnvoll zusammengeführt werden können. So setzt die Finanzabteilung meist die Absicherung von Zins- und Währungsrisiken mit vergleichbaren Instrumenten um. Im Einkauf ist das Know-how zu den Themen Rohstoffe, Liefer- und Wertschöpfungskette vorhanden. Kommt beides zusammen, gepaart mit dem Expertenwissen der Commerzbank, können Unternehmen sich bestmöglich vor Rohstoffpreisrisiken schützen.

Internationale Expertise – was bieten Ihnen die Commerzbank-Repräsentanzen im Ausland?

Hans Krohn, Leiter des achtköpfigen Teams von Commerzbank Corporate Clients Institutionals (CC-I) für die Länder der ehemaligen Sowjetunion (ohne Baltikum) und die Mongolei, im Interview:

Herr Krohn, CC-I hat den international aktiven deutschen Firmenkunden viel zu bieten. Wie profitieren davon zunächst einmal die Exporteure?

Exportierende Unternehmen sind vor allem daran interessiert, die Bezahlung ihrer Exporte ins Ausland abzusichern. Dank unseres weltweiten Netzes bieten wir dabei zweierlei Vorteile: Erstens ist die Chance groß, dass ein Exporteur auf einen Abnehmer trifft, mit dessen Bank vor Ort wir zusammenarbeiten. Damit können wir den Kundenwunsch nach einer direkten Bankverbindung meist erfüllen. Kommt darüber hinaus eine Lieferung auf Rechnung nicht infrage, sondern wird per Akkreditiv abgesichert, haben wir in vielen Fällen Kreditlinien für die lokale Bank des Importeurs geordnet. Das vereinfacht und beschleunigt natürlich die Bestätigung des Akkreditivs zugunsten des Exporteurs.

Die schnelle Abwicklung erfolgt auch dank unserer beiden Trade Processing Centers (TPCs) im polnischen Lodz und im malaysischen Kuala Lumpur. Bei Akkreditiven steckt der Teufel im Detail, wenn Dokumente geprüft und darin enthaltene Unstimmigkeiten geklärt werden müssen. Hier sorgt die Mischung aus hochautomatisierten Prozessen und menschlicher Expertise in diesen Einheiten rund um die Uhr für eine sehr schnelle und präzise Abwicklung. Das Produkt funktioniert und überzeugt, sodass wir immer wieder Auszeichnungen als eine der besten Banken in der Abwicklung des Außenhandels erhalten.

Was bieten die Commerzbank-Repräsentanzen im Ausland den deutschen Investoren?

Diese Unternehmen suchen grundsätzlich immer Marktkenntnisse, Geschäftspartner und Vertragssicherheit. Dabei sind wir mit unseren weltweit bestehenden Repräsentanzen behilflich. Dort arbeiten Mitarbeiter, die über jahrelange Marktkenntnis in ihren Ländern verfügen und eine tief greifende Expertise über lokale Bedingungen und Gepflogenheiten aufgebaut haben. Zunehmend stammen unsere Repräsentanz-Mitarbeiter auch aus den Ländern selbst. Sie kennen jedes Detail des Lebens dort, können mögliche Investitionspläne kompetent kommentieren und mit Ratschlägen verbessern.

Meiner Erfahrung nach sind unsere internationalen Repräsentanzen oft die ersten Anlaufstellen für Investoren. Bei den anfangs zahlreichen rechtlichen Fragen dürfen wir zwar keine Beratung durchführen, können aber Kontakte herstellen zu lokalen Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten oder relevanten staatlichen Stellen. Unsere initiale Beratung hilft bei den Anfangskontakten und oft auch bei der Due Diligence, die Investoren im Vorfeld von M&A-Geschäften erledigen. In einigen Ländern empfehlen wir auch lokale Banken, mit denen wir über Kooperationsvereinbarungen verbunden sind. Dort erhalten unsere Firmenkunden dann eine bevorzugte, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung, die wir mit den Banken vereinbart haben.